Petra Pettmann M.A. / Pressebüro PP-Kommunikation

JOURNALISTIN DJV, fundierter Wirtschaftsfachjournalismus für die Gemeinschaftsgastronomie, Gastronomie, Hotellerie, Tourismus-, MICE- & Retail-Branche

Die Hamburger Hallig & Erik Bracks Hallig-Krog

Mit den Schafen am Deich.

Immer wieder zieht es uns auf die Hamburger Hallig. Obwohl dort eigentlich „nichts“ ist. Gerade wegen des „Nichts“ zieht es uns dorthin. Salzwiesen, Wasser – wenn es denn „da“ ist, und Schafe. Nur zwei Erhebungen hat es hier: Die Hamburger Hallig ganz am Ende. Da, wo die Nordsee beginnt. Und auf halber Höhe dorthin, links vom Weg gelegen, die Hütte des Nabu. Erik Bracks Hallig-Krog ist unser Geheimtipp.

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Einst deichten die Gebrüder Amsinck, Hamburger Kaufleute, das Land ein. Vom ehemaligen Koog blieb aber nur noch die Hallig übrig. Das Meer holt sich sein Reich wieder zurück…

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Am Amsinckhaus direkt vor der Auffahrt zur Hamburger Hallig stellt man heute sein Auto ab und läuft am besten zu Fuß auf dem einzigen Weg, der zur Hallig führt bis nach vorne. 6 Euro kostet es, wenn man sein Auto mitnimmt, etwa um abends bei Erik Brack genussvoll im Hallig Krog zu speisen.

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Achtung: Schafe haben Vorfahrt. Immer! In Sachen Watt und Naturschutz kann man sich hier vor der Entdeckungstour informieren. Und eine kostenfreie Toilette und Fahrräder zum Ausleihen gibt es dort auch noch. PKW-Fahrer und Camper können ihre Fahrzeuge gegen Gebühr dort abstellen.

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Da wir einen Tisch reserviert haben, bezahlen wir die Gebühr, die Schranke geht auf und wir rollen vorsichtig auf den Deich. Aber: Land unter! Von der Hamburger Hallig in der Ferne sieht man nur noch die Erhebung mit den Gebäuden. Der Rest ist unter Wasser. Sturmflut! Die Nordsee hat sich nicht zurückgezogen, obwohl es so im Gezeitenkalender stand. Erik Brack schickt mir eine SMS und sagt ab. Zu spät. Wir sind schon da! Er und sein Serviceteam sitzen auf der Hallig fest.

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Erst nachts nach 12 Uhr bequemte sich die Nordsee wieder in ihr Reich und machte den Weg frei, wie Bracks Frau mir am nächsten Tag erzählt. „Das ist normal hier, wir kennen das!“ sagt sie gelassen und zählt die Scheine vom Vortag.

Gegessen haben wir dann in Husum. In Dragseths Gasthof, dem ältesten Gasthaus Nordfrieslands. Auch nicht schlecht. Sehr gut sogar! Uriges Ambiente. Supernette Wirtin, göttliche Bratkartoffeln. Trotz Lage direkt am Hafen von Husum in der Touristenmeile absolut zu empfehlen! Tisch reservieren ist sinnvoll. Bei Erik Brack als auch in Dragseths Gasthof.

Aber wir wollten unbedingt auf die Hallig und haben deshalb gleich für den nächsten Tag mit Erik Brack einen Termin vereinbart und uns für das Mittagessen angekündigt.

Glück gehabt. Das Wasser war weg. Die Schafe wieder auf den Salzwiesen. Schlaue Tiere – diese großen, gut genährten Deichbewohner, die zahlenmäßig die Hauptbewohnerschaft der Hallig ausmachen. Zählt man die Vögel nicht hinzu, die in großen Schwärmen ihre Kreise ziehen. Das Naturschutzgebiet zieht viele Rastvögel an. Tausende Nonnengänse überwintern auf dem flachen, oft überspülten Landstreifen. Auch Säbelschnäbler, Austernfischer und Rotschenkel trifft man hier. Und salzliebende Pflanzen, die es auf dem Festland nicht gibt.

Die Schafe sind zahm. Sie bewegen sich langsam und gemächlich und gehen kaum zur Seite, wenn man ihnen begegnet. Schauen vielmehr neugierig in die Kamera, sind Laufsteg erprobt bei all den Touristen, die Sommer wie Winter den Deich überqueren und in ihr Reich eindringen.

Bis zu 1600 Gäste zählt der Hallig Krog an heißen Tagen, lassen wir uns erzählen. Da rollt der Rubel, oder besser gesagt, der Euro. Bereut hat es die Familie Brack bisher nicht, vor viereinhalb Jahren in der Einsamkeit der Hallig ein Restaurant zu führen (Stand 10/2019). Wohnen kann man hier nicht. Es gibt ein „Notzimmer“, wenn Land unter ist und man nicht wegkommt. Ansonsten wohnen die Braaks mit ihren drei Kindern auf dem Festland.

Mit Hunden muss man draußen bleiben, was nicht schlimm ist, denn vor dem Restaurant stehen rustikale Tische und schwere Bänke, denen Wind und Wetter so schnell nichts anhaben können. Setzt man sich auf die „Mitfahrbank“ kann man Glück haben und nette Autofahrer nehmen einen mit aufs Festland. Eine geniale Sache!

In der Sommersaison hat der Hallig-Krog täglich geöffnet. Drinnen sind die Decken so niedrig, dass man sich als großer Mensch leicht den Kopf anschlägt. Selbst der Kellner muss immer wieder den Kopf einziehen, wenn er den Gästen die Speisen bringt. So niedrig sind die Deckenbalken. Kleine Fenster, nette Deko, rund 50 Sitzplätze im Gastraum und nochmals 30 Plätze für Feierlichkeiten sind vorhanden. Klein, gemütlich, heimelig ist es hier drinnen, gerade wenn draußen der Regen ans Fenster peitscht und eine kräftige Brise weht. Und die weht hier in Nordfriesland oft.

Ohne Gezeitenkalender der Hamburger Hallig sollte man sich besser nicht auf den Weg zur Hallig machen. Das Wasser kommt schnell. Gerade bei Sturmflut.

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Dann kann man vom Deich aus auf die Hamburger Hallig schauen und das Wellenspiel des Windes über den unter Wasser stehenden Salzwiesen beobachten. Sehen, wie Vögel sich auf kleinen Inseln niederlassen, die wenige Minuten später auch bereits Land unter sind. Vogelschwärme beobachten und sich dem Glitzern der Wellen hingeben. Auf dem Land würde ich schreiben, man fühlt sich geerdet. Hier an der Hallig passt da besser: man fühlt die Kraft der Natur.

Mit Gummistiefeln geht es bei Ebbe ins Watt. Endlose braune Weiten breiten sich dann vor einem aus. Das muss man mögen. Manch einem ist da die Ostsee lieber, die immer Wasser bis zur Kante hat. Anfang April öffnet der Hallig-Krog wieder seine Türen. Vielleicht sehen wir uns zufällig dort wieder?

Text: Petra Pettmann

Bilder: Petra Pettmann und Wolfgang Risters