Petra Pettmann M.A. / Pressebüro PP-Kommunikation

JOURNALISTIN DJV, fundierter Wirtschaftsfachjournalismus für die Gemeinschaftsgastronomie, Gastronomie, Hotellerie, Tourismus-, MICE- & Retail-Branche

Pfarrgarten Starkow

Mein Geheim-Tipp für Freunde historischer Gärten

Wer ihn nicht kennt, der fährt vorbei. Dabei ist der Pfarrgarten Starkow wirklich ein Geheimtipp und immer einen Abstecher wert!

Foto: Petra Pettmann

Entlang der von Ostsee-Touristen stark befahrenen B 105 von Rostock nach Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern Strecke geht es gleich hinter dem Dörfchen Löbnitz rechts ab auf den „Starkower Weg“, der eher wie ein Feldweg anmutet. Nur ein kleines unscheinbares Schild weist hier auf die Existenz des Pfarrgartens Starkow hin. Wären wir nicht mit Freunden unterwegs, die hier geboren sind, wir hätten diesen wunderbaren Garten nie entdeckt. Entlang des Flüsschens Barthe, die der nahegelegenen Stadt Barth ihren Namen gegeben hat, fahren wir bis Starkow und sind bereits bei der Anfahrt begeistert.

Foto: Petra Pettmann

Es ist Mitte Juli und im Pfarrgarten Starkow blühen noch wunderbare Rosen. Bereits von weitem sieht man eine imposante Kirche auf einem leicht erhöhten Terrain, umringt von einem Blütenmeer. Die schmale Dorfstraße biegt nach links zur Kirche und dem Kirchspiel ab. Vor diesem erhöhten Areal weiden Pferde an einem Bach. Idyllischer könnte der Pfarrgarten nicht gelegen sein. Wir fahren den Weg noch ein Stück weiter. Kein Parkplatz, kein Schild, kein erkennbarer Eingang. Man muss wissen, dass sich hier der Pfarrgarten befindet. Und man muss sich trauen, einfach durch die unscheinbare Pforte zu schreiten, die auch zu einem privaten Gelände hätte führen können.

Foto: Petra Pettmann

Drinnen sind wir überrascht von der Größe der Anlage und auch von der durchdachten Gartenarchitektur, die wir hier wirklich nicht erwartet hätten.

Geschichtliches:

Wir rätseln, warum ausgerechnet hier in einer dünn besiedelten Gegend eine solch große Kirche steht. Ob diese wohl mit dem Kloster in Barth verbunden war? Dann erfahren wir, wie es war: Der Rügenfürst Witzlaw I. hat im Jahre 1242 die Dörfer Starcowe, Rettbutitz, Carnin und Vilegust sowie 30 Hegerhufen jenseits des Flusses Barthe an den Magister Ivan verkauft und diesem zugleich das Patronat für die zu erbauende Kirche im Dorf Starkow verliehen. So steht es in der ersten schriftlich überlieferten Urkunde dieser Gegend. Dieser Magister Ivan begründete das ranische Adelsgeschlecht derer von Starkow, die oft auch Ämter am Fürstenhof ausübten. Nach einer Sage wurde dieser Patronatsherr Ivan unter einem Kirchenpfeiler begraben.

Foto: Petra Pettmann

Hintergrund ist die Tatsache, dass diese Gegend gemeinsam mit der Insel Rügen seit 1194 das Fürstentum Rügen bildete. Nach der Erstürmung des Tempels von Arkone (1168) bekannten sich die Rügenfürsten zum Christentum und begannen mit der Christianisierung ihrer Ländereien.

Hainbuchenlaubengang im Pfarrgarten Starkow.
Foto: Petra Pettmann

Der Pfarrgarten Starkow in Mecklenburg-Vorpommern erstreckt sich über eine Fläche von 2 ha entlang des Barthe-Ufers. Bereits aus dem Jahre 1696 existieren erste bildliche Nachweise dieses Pfarrgartens. Um 1750 wurde der Pfarrgarten vergrößert und ein neues Pfarrhaus im barocken Stil errichtet, welches heute noch besteht. Damals entstanden auch die symmetrische Gliederung und der wunderbare Hainbuchenlaubengang.

Foto: Petra Pettmann

Durch Pfarrer Gottlieb Palleske, der von 1830 bis 1852 in Starkow weilte und eine tiefe Neigung zum Gartenbau besaß, erfolgten nochmals große Umgestaltungen. Über 220 Bäume hat er gepflanzt, den Garten vergrößert und einen ausgetrockneten Teich wieder aufgefüllt. Damals war das Pfarrhaus mit einem Holzstaketenzaun und teilweise mit Haselnusshecken umfriedet. Der Vorgarten an der nördlichen Seite des Pfarrhauses bestand aus mit Buchsbaum gefassten Schmuckbeeten und wurde am Eingang von zwei Rotdornbäumen flankiert.

Der Pfarrgarten selbst war in drei unterschiedliche Bereiche geteilt, die Nützlichkeit, Geist und Schönheit harmonisch miteinander verbanden. Der Hainbuchengang war axial auf das Gebäude ausgerichtet und von einem Blumen- und Ziergehölzgarten mit Sitzplätzen angelegt.

Foto: Petra Pettmann

Im Jahr 2002 übernahm der Verein „Backstein – Geist und Garten e.V.“ die Pflege und Weiterentwicklung des Gartens. Selbst der Standort des Bienenhauses zwischen den beiden alten Eiben ist erhalten und lässt sich auf die Palleske-Zeit datieren. Hier wurde in den Jahren 2002 bis 2005 das Bienenhaus, der Pfarrstall und das Wegehäuschen erneuert und wiederhergestellt.

Foto: Petra Pettmann

Typisch für Pastoratsgärten des 18. Jahrhunderts ist die regelmäßige, symmetrische Einteilung der Gärten. Die Hecken der damaligen Zeit wurden häufig mit Kronen schattiger Linden überwölbt. Taxusbäume bildeten eine Zierde der Gärten. Der Garten sollte nicht nur zum Anbau von Obst- und Gemüsearten, sondern als Erweiterung der Räume des Hauses dienen.

Der Pfarrgarten mündet direkt auf den Friedhof, der rund um die Kirche beheimatet ist und noch immer neu belegt wird.

Hier steht die imposante Backsteinbasilika St. Jürgen aus dem 13./14. Jahrhundert. Mit ihrem großen, in Pastelltönen gehaltenen Chor, gehört diese frühe Dorfkirche im Zentrum des festländischen Rügens zu dem im 18. Jahrhundert errichteten historischen Ensemble mit Pfarrhaus, Schul- und Küsterhaus, einer wieder errichteten Scheune mit Café, dem Predigerwitwenhaus und einem neu gestalteten historischen Pfarrgarten mit Streuobstwiese, die sich entlang des Flüsschens Barthe erstreckt.

Foto: Petra Pettmann

Mit 31 Meter Länge und 21 Meter Breite ist diese reich verzierte Backsteinkirche völlig überdimensioniert für den kleinen Ort. Die Deckenhöhe beträgt 12 Meter. Ein hölzerner Turm befand sich vor dem westlichen Giebel. Fasziniert hat mich eine Wandmalerei an der Nordwand der Kirche mit einer Christopherus-Darstellung, die erst 2008 freigelegt wurde. Weiterführende Links: https://www.starkow.net/pfarrgarten.html

Foto: Petra Pettmann

Doch nun taucht mit uns ein in das Blumenmeer des Pfarrgartens! Schade, dass man Düfte noch nicht über den Computer vermitteln kann. Oder auch nicht. Denn so lohnt sich ein eigener Besuch dieses wunderbaren Ortes.

Foto: Petra Pettmann

Übrigens, in der August-Ausgabe der Zeitschrift „Monumente“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird der Pfarrgarten Starkow im Beitrag „Historische Gärten – Blick hinter die Kulissen“ als einer von 8 Geheim-Tipps für Parks & Gärten in Deutschland aufgeführt.

Der Pfarrgarten ist ganzjährig geöffnet. Der Eintritt ist frei. Im Pfarrgarten-Café gibt es Kuchen und Kaffee. Man sitzt mit Blick auf den wunderbaren Garten im Freien.

Adresse: Kirchsteig 9, 18469 Velgast (OT Starkow)

Siehe auch www.denkmalschutz.de/pfarrgarten-starkow