Petra Pettmann M.A. / Pressebüro PP-Kommunikation

JOURNALISTIN DJV, fundierter Wirtschaftsfachjournalismus für die Gemeinschaftsgastronomie, Gastronomie, Hotellerie, Tourismus-, MICE- & Retail-Branche

The New York HOT BREAD KITCHEN Project

THE NEW YORK HOT BREAD KITCHEN PROJECT – 20 Frauen. 15 Nationen. 130 Rezepte

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 Coverbild: Christian Verlag

Eine Rezension von Petra Pettmann M.A.,

Foodjournalistin, Archäologin, Anthropologin

29.05.2019

Es gibt nur wenige Bücher, die ich nicht mehr aus der Hand nehmen kann, sobald ich den ersten Blick in sie geworfen habe. Das Buch „The New York Hot Bread Kitchen Project“ von Jessamyn Waldman Rodriquez gehört dazu. Ein faszinierendes Geschäftskonzept, welches die Gründerin von Hot Bread Kitchen (www.hotbreadkitchen.org ) vor 10 Jahren an den Start gebracht hat. Im Buch geben 20 Frauen aus 15 Nationen 130 Rezepte an die Hand. Bei den wenigsten handelt es sich um Backrezepte für Brot, so wie wir Europäer Brot definieren. Zum Beispiel sucht man vergeblich nach einem französischen Baguette. Und auch unser beliebtes Vollkornbrot und eigentlich alles, was es beim hiesigen Bäcker um die Ecke gibt, findet man hier nicht. Das ist auch gut so: Beim New York Hot Bread Kitchen Project geht es um ein soziales Projekt, welches in die USA eingewanderten Frauen helfen soll sich wirtschaftlich auf solide Füße zu stellen und sich bestenfalls selbstständig zu machen. Ihre Kreativität und ihr Können stellen sie tagtäglich in der aus den 30er Jahren stammenden historischen Markthalle „La Marqueta“ im Stadtteil Ost-Harlem (115th Street and Park Avenue) unter Beweis. Was vor 10 Jahren klein anfing, ist heute eines der angesagtesten Food-Projekte in New York. Die eigentliche Produktionsstätte ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, aber in der Markthalle „La Marqueta“, die – wenn ich das richtig verstanden habe – auch viele weitere Stände und Food-Konzepte von Gründern beherbergt, können die Backkreationen – ebenso wie in zahlreichen Whole Foods-Stores – vor Ort verzehrt und erstanden werden. Auch Restaurants, Caterer und Einzelhändler über die Grenzen New Yorks hinaus vertreiben die Produkte der klugen Geschäftsfrau Essamyn Waldman Rodriquez. Von Mai 2008 bis Oktober 2018 war sie CEO. Seit April 2019 ist die Hot Bread Kitchen-Gründerin Managing Director für das Nachbarschafts-Café „Daily Provisions“ (www.dailyprovisionsnyc.com). Natürlich gibt es dort auch Bakerys, Sandwiches und Toasts für den ganzen Tag und unterwegs.

Zum Buch: Die Originalausgabe mit dem Titel „The Hot Bread Kitchen cookbook: artisanal Baking from around the world“ wurde erstmals 2015 im Verlag Clarkson Potter / Publishers veröffentlicht. Julia Mielewski übersetzte das uns vorliegende Werk aus dem Englischen.

Auf 304 Seiten mit rund 190 Abbildungen gewährt uns das Buch einen Blick hinter die Kulissen der New Yorker Kultbäckerei, lässt uns erfahren, wer die Frauen sind, die hier eine bunte Vielfalt aus exotischen und etablierten Rezepten backen. Wobei etabliert für „the american way of live“ steht, und nicht für unsere in Deutschland und Europa gelebte Kultur. Interessant ist, dass jede Frau ihre traditionellen Backwaren ins Konzept einbringen durfte, so dass sich die ganze Welt in diesem Buch wiederfindet. In acht Kapiteln erhält man einen wunderbaren Einblick, wie man etwa ungesäuerte Fladenbrote, gesäuerte Fladenbrote, Tortillas, luftige Brote und Brötchen, angereicherte Brote und Brötchen, gefüllte Teige, oder Feiertagsbrote in der eigenen Küche ohne Profibacktechnik herstellen kann. Die Erklärungen sind super, chemische Prozesse werden mit ganz einfachen Worten für jeden verständlich dargestellt, so dass auch Laien schnell begreifen, worauf es beim jeweiligen Rezept wirklich ankommt. Tägliche Arbeitsabläufe erlebt man hautnah mit, so als ob man in der Hot Bread Kitchen in Ost-Harlem direkt neben Margaret aus Guyana, Francis aus der Dominikanischen Republik, oder Nancy aus Mexiko. Es sind Rezepte, die bereits von Generationen von Frauen weitergereicht wurden.

Tinga Tosdadas

Im Bild: TINGA TOSTADAS aus Mexiko. Ein klassisches Streetfood mit Pulled Chicken in Sauce. Die Tostadas (Maistortillas) werden mit Bohnenmus, Eisbergsalat, Tomate in mexikanischer Creme und Cotija-Käse gefüllt.

Da die Gründerin jüdische Wurzeln hat, findet man ganz viele Rezepte aus der jüdischen Küche, die einerseits sephardisch-orientalisch geprägt ist (Humus, Fladenbrot), andererseits auf Traditionsspeisen aus dem osteuropäischen Raum zurückgreift, wie etwa Kreplach (Krapfen) und Babka (Hefegebäck) sowie Bagel, die ursprünglich aus dem polnischen Krakau stammen. Halbsüße „Eier Kichel zu gefilte Fisch“ ist solch ein Rezept. Auch tibetische, vietnamesische, indische, irische, ecuadorianische und marokkanische Rezepte sind darunter. Ein Rezept hat mir besonders gut gefallen: das Rezept für einen Gründer oder eine Gründerin. Sprich: das Handwerkszeug, das jeder Gründer bei der Ausbildung erlernt, um zukünftig sein eigenes Food-Konzept wirtschaftlich erfolgreich zu führen.

Fazit: Ein faszinierendes Buch in Backtraditionen aus aller Welt, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Bereicherung für unseren europäischen Geschmack. Und ein tolles soziales Projekt, welches auch bei uns gerne seine Nachahmer finden könnte. Ein Besuch in Harlem würde mich reizen. Warum die Gründerin im April 2019 laut eigenem LinkedIn-Profil das Unternehmen verlassen hat, ist mir allerdings ein Rätsel.

Autoren: Jessamyn Waldman Rodriquez mit Julia Turshen

Erschienen: 22. Mai 2019

Seitenzahl: 304 Seiten

Verlag: Christian Verlag

Preis: 34,99 €

ISBN: 978-3-95961-274-6

Erhältlich als: Buch

Download Rezension: Rezension_Hot Bread Kitchen_pet

Die Rezension wurde am 29. Mai 2019 erstellt. Es gelten die AGB von Petra Pettmann, einzusehen auf www.pettmann.de

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