Petra Pettmann M.A. / Pressebüro PP-Kommunikation

JOURNALISTIN DJV, fundierter Wirtschaftsfachjournalismus für die Gemeinschaftsgastronomie, Gastronomie, Hotellerie, Tourismus-, MICE- & Retail-Branche

Die Geschichte beginnt mit einem Huhn – Rezepte, für die es sich zu leben lohnt

Buchautorin: Ella Risbridger

Cover-Illustration: Elisa Cunningham

Abb.: Callwey

„Wenn Kochen zur Überlebensstrategie wird. Eine herzerfrischende Geschichte, die Mut macht weiter zu leben, und die mit unkonventionellen Gerichten die Seele wärmt.“

Zitat: Petra Pettmann M.A.

„Die Geschichte beginnt mit einem Huhn“ – ein Titel, den man erst beim Blick in das Buch richtig begreift. Hätte Ella Risbridger es nicht geschrieben, wäre sie heute vielleicht tot. Aber sie hat es geschrieben. Ein Buch der Hoffnung, dass es irgendwie schon weiter geht. Ein Mutmacher in schwierigen Zeiten.

Es ist kein normales Kochbuch, sondern die ganz persönliche Lebensgeschichte einer jungen Frau, die schlimme Zeiten durchgemacht hat, und wohl nur durch die wärmenden und trostspendenden Gerichte, die sie und „der große Mann“ zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten gemeinsam und mit Freunden gekocht und gegessen haben, hat überleben und neuen Mut schöpfen können. Und es ist erfrischend unkonventionell!

Ein Buch, welches mich beim Lesen so emotional ergriffen hat, dass ich es erst einmal wieder wochenlang ins Regal stellen und die Geschichte sacken lassen musste, bis ich endlich dazu fähig war, meine Rezension darüber zu schreiben. Denn auch ich habe auf ähnliche Weise überlebt. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Hagenkord vom Callwey-Verlag für seine aufmunternde Worte, die Rezension doch noch zu schreiben. Heute ist der Tag, an dem es geht…

Aus dem Kapitel: Vorratsschrankgerichte & Mitternachtsgelage:
Carbonara für Caroline. Illustration: Elisa Cunningham

Was hilft einem in schwierigen Zeiten mehr, als dass man mit dem was man hat, und sei es noch so wenig, ein leckeres Essen zum Trost für die Seele zubereitet? Und sich so Stück für Stück zurück ins Leben kocht. Dazu muss man nicht wirklich kochen können, und man muss schon gar nicht perfekt sein. Um Mitternacht ein Huhn zu braten, kann Leben retten. Das eigene, und das von Freunden. Der Gang in die Küche, das Öffnen des Kühlschranks, das Schauen, was da ist. Oder aus dem, was mitgebracht wurde, etwas zaubern. Zugreifen, Pfanne aufstellen und loslegen! Meditativ Handgriff, für Handgriff. Einfach machen. Weitermachen! Und wenn es noch so schwerfällt. Davon erzählt Ella Risbridger in einer Art und Weise, die mich das Buch, das meiner Meinung nach eigentlich eine Biografie einer Überlebenden mit Kochrezepten ist, an einem Stück hat lesen lassen. Von Seite zu Seite fiebert man mit der Autorin, dass sie es schafft ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Trotz Burnout, Depressionen, oder Schicksalsschlägen wie etwa dem Tod eines geliebten Menschen. Und trotz der Traurigkeit, die mitschwingt, muss man immer wieder grinsen. Unverblümt und gerade heraus sind die Worte. Voll aus dem Leben gegriffen.

In the kitchen. Illustration: Elisa Cunningham

Gerade jetzt in Corona-Zeiten machen viele Menschen existenziell bedrohliche Erfahrungen. Wissen nicht mehr weiter. Möchten aufgeben… Der Job ist weg, es kommen keine Aufträge mehr herein und somit kein Geld mehr in die Kasse, um die Miete und das Leben bezahlen zu können. Oder ein geliebter Mensch, oder man selbst erkrankt. Da möchte man aufgeben und einfach wie Ella für immer im Flur auf dem Boden liegenbleiben, oder, und dass lehrt uns das Buch, trotz allem Elend wieder aufstehen, zu Pfanne und Kochtopf greifen und beherzt weitermachen. Leben, atmen, essen. Da sein. Überleben. Sich und andere nicht aufgeben! Eine rührende Geschichte, die einem unter die Haut geht. Voller Wärme, mit Witz und Traurigkeit zugleich.

Wenn alles schief geht. Illustration: Elisa Cunningham

Eigentlich sind die Rezepte Nebensache. Vielleicht sind sie noch nicht einmal gut. Für unsere deutschen Gaumen sowieso… Aber darum geht es gar nicht. Vielleicht ist auch der Inhalt auf den ersten Blick zu chaotisch? Die Kapitel sind nicht wie in einem typischen Kochbuch logisch aufeinander abgestimmt. Es ist kein Rosarote-Brille-Buch. Sondern direkt aus dem Leben, wie es manchmal eben ist. Denn wo habt ihr schon mal Rezepte über „Vorratsschrankgerichte & Mitternachtsgelage“ für Erschöpfte und Schlaflose, oder ein Kapitel über „Brühe gut, alles gut“ gelesen? Das gibt es nur hier! Über 80 Rezepte sind eingeflochten in Geschichten für jede Situation.

Das Huhn. Illustration: Elisa Cunningham

Mit dem titelgebenden „Mitternachtshuhn“ (engl. Titel: Midnight Chicken) tauchen wir ein in das Leben der damals 21-jährigen Engländerin, die in London lebt und für die ein Zuhause dann Zuhause ist, wenn dort das Herz ist. Egal wo das gerade ist. Erst ganz am Schluss erfahren wir, warum es ihr so schlecht ging. Der Spannungsbogen ist geschickt angelegt. Wir kommen mit Ella Risbridgers ergreifenden Erzählungen und Kochrezepten direkt in ihrem Leben an. Sitzen mit ihr am Küchentisch, auf dem Sofa, auf dem Boden, sehen förmlich, wie sie mit ihrem Glas Wein dasitzt und das Leben Minute für Minute und Bissen für Bissen meistert. Der „große Mann“ schwebt wie ein Phantom im Raum und ist ihr treuer Begleiter. Wir wissen nicht, wer er ist und was passiert ist.

Ellas Koch- und Lebensanleitungen versteht jeder: Setz Wasser auf. Schieb das Huhn in den Ofen. Trink ein Glas Wein. Iss. Freu dich. Hier spricht eine junge Frau zu uns, die uns Hoffnung gibt. Die sagt: Schaut her! Ich habe es trotz allem geschafft. Ich genieße den Moment. Ich lebe!

Poussins. Dicke, kleine Harissa-Stubenküken (S. 190). Illustration: Elisa Cunningham

Die Rezepte im Buch sind alle mit Liebe erdacht und verfasst. Nach der „Du-bist-nicht-allein“ und „Lass-uns-gemeinsam-Trost-in dieser-riesigen-Pfanne-Paella-finden“-Art von Liebe. Wer einfach drauf los kochen will und es mit allem nicht so genau nimmt, weil es ihm oder ihr wichtiger ist, dass das was du gerade tust, dir und deinen Lieben auch guttut, für den ist Ellas Buch genau richtig. Ins Buch kamen nur Rezepte, die Ella immer wieder gekocht hat. Nur einfaches, nichts kompliziertes. Das Leben war kompliziert genug.

Schmunzeln musste ich über all die praktischen Tipps, die man sonst in keinem Kochbuch findet. Und über Rezepte, wie das „Notfallrisotto“, für das man vor allem Geduld, ein bisschen Zeit und wenige Zutaten wie Reis und das was im Kühlschrank ist, braucht. Oder „Drei Ideen und ein Ei: Wie man langweilige Gerichte schnell interessanter macht“.

Ella Risbridger in ihrer Küche. Credit: Gavin Day

Doch wer ist Ella Risbridger? Sie wurde 1992 in London geboren, hat vergleichende Literatur studiert und für The Guardian und The Observer geschrieben. Ihr erstes Buch Midnight Chicken wurde im Januar 2019 in englischer Sprache veröffentlicht und nun bei Callwey erstmals in Deutsch.

Midnight Feasts. Illustration: Elisa Cunningham

Und die Abbildungen, dies sind wunderschön! Gemalt von Elisa Cunningham, einer freischaffenden Illustratorin aus Bristol, die sich auf Food Illustrationen spezialisiert hat. Ariane Böckler aus Nürnberg hat das Buch aus dem Englischen mit viel Mitgefühl übersetzt. Auch das will gelernt sein. 

Fazit: Lest selbst. Nehmt den Kochlöffel in die Hand, oder kuschelt euch in eine flauschige Decke ein und freut euch mit Ella, wie und womit sie zurück ins Leben gefunden hat.

Infos zum Buch:

Die Geschichte beginnt mit einem Huhn – Rezepte, für die es sich zu leben lohnt

Autorin: Ella Risbridger

Herausgeber: Callwey

Illustrationen von Elisa Cunningham

Foto Ella Risbridger von Gavin Day

Erscheinungsdatum deutsche Ausgabe: Heute 😊 (17. September 2020)

Ausstattung: Gebunden

Seitenzahl: 288 Seiten, 95 Illustrationen

Verlag: Callwey

Preis: 29,95 €

ISBN: 978-3-7667-2487-8

Dies ist eine Rezension von Petra Pettmann M.A.

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Ein ganz herzliches Dankeschön meinerseits an den Callwey-Verlag auch für die Zusendung der Illustrationen und des Bildmaterials sowie der Erlaubnis zur Veröffentlichung in meiner Buchbesprechung.

Es gelten meine AGB, einzusehen auf www.pettmann.de. Die Vervielfältigung und Verwertung der Rezension, auch in Auszügen, ist ohne meine schriftliche Zustimmung nicht erlaubt.