Titelbild: Petra Pettmann M.A.

Ein ursprünglich für die Stadtplanung entworfenes Konzept eröffnet in Berlin neue Perspektiven für einen nachhaltigen Tourismus. Das Konzept sieht vor, dass anstelle der Konzentration auf ein einzelnes Zentrum mehrere kleine Städte entstehen, in denen die Menschen auf kurzen Wegen alles finden, was sie zum täglichen Leben brauchen. Und durch seine unterschiedlichen Bezirke und Kieze, nicht zuletzt aufgrund der jahrzehntelangen Teilung in Ost- und West-Berlin, ist ein solcher dezentraler Ansatz in Berlin nichts gänzlich Neues. Das Ziel der Kampagne: Ein Weg hin zu einem Stadtleben, das Rücksicht nimmt auf Umwelt und Menschen.

Die Idee kommt aus Paris: Professor Carlos Moreno, Experte für intelligente Städte an der Pariser Universität Sorbonne, hat die Idee der 15-Minuten-Stadt erstmals 2016 vorgestellt. Alle Notwendigkeiten des Alltags – Arbeit, Kultur, Bildung, Gesundheit – sollen in maximal 15 Minuten zu Fuß oder per Rad erreichbar sein. Die Vorteile dieses Ansatzes sind offensichtlich: Ein großer Teil des Autoverkehrs wird überflüssig, was die Luftqualität verbessert, die Lärmemissionen reduziert und das Klima schont. Auch lokale Geschäfte und Unternehmen werden unterstützt. Nicht zuletzt steigen Verbundenheit und Verantwortungsgefühl der Bewohner:innen für ihr Viertel. Kurz: Die Umweltbelastung nimmt ab und die Lebensqualität zu. Übersetzt für den Berliner Tourismus soll dies bedeuten: Gastronomische, kulturelle und Shopping-Highlights im Umkreis von 15 Gehminuten rund um ein teilnehmendes Hotel sollen entdeckt werden. So könnten Berlins Gäste umweltfreundlich unterwegs sein und gleichzeitig das authentische Kiezleben aus nächster Nähe erleben.

Neu an der Berliner Umsetzung der 15-Minuten-Stadt ist der touristische Kontext. Als Teil des Berliner Neustart-Programms nach der Pandemie soll damit zum einen der Tourismus in der Hauptstadt ganz allgemein wieder neuen Schwung bekommen. Verbunden mit der Neuerung ist aber auch ein weiterer großer Schritt für die Entwicklung Berlins zu einem nachhaltigeren Reiseziel.

Unter dem Motto „Kurze Wege“ sind aktuell 24 Hotels in der ganzen Stadt Teil des Konzeptes. Auf der Website von visitBerlin finden Interessierte einen Überblick und Informationen zu Gastronomie, Kultur und Shopping im Radius von 15 Minuten um die Hotels.

25hours Hotel

Foto: 25hours Hotel

Die teilnehmenden Hotels sind über ganz Berlin verteilt und zeigen ganz unterschiedliche Facetten der Stadt. Dazu gehören zum Beispiel das Hotel Bett und Buch nahe der Altstadt Köpenick oder das Hotel Lindenufer in der Altstadt Spandau als perfekte Ausgangspunkte für Entdeckungstouren abseits des Zentrums. Das 25hours Hotel Bikini Berlin und das art‘otel berlin kudamm liegen beide in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm und damit in Reichweite exklusiver Stores und berühmter Gastro- und Kulturhighlights. Im Kollwitzkiez übernachtet man im Hotel Oderberger, einem denkmalgeschützten historischen Stadtbad, und erlebt im 15-Minuten-Umkreis eine Vielzahl an coolen Bars, Restaurants und hippen Läden. Schöner shoppen ist besonders cool im Winter und zur Weihnachtszeit: Informationen und Inspirationen rund um Berliner Einkaufserlebnisse finden sich darüber hinaus unter visitBerlin.de/shopping. In Dahlem wiederum gibt es das Seminaris CampusHotel Berlin in einem der grünsten Kieze der Stadt. In seiner Umgebung finden Gäste geschichtsträchtige Orte, Parks und Museen.

Quelle: Berlin Tourismus & Kongress GmbH

Soweit die Informationen der Pressemeldung, die mich heute aus Berlin erreicht hat. Doch wird diese Rechnung aufgehen? Wollen Touristen wirklich nur rund um ihr Hotel unterwegs sein?

Mein Fazit: Die Idee ist gut, jedoch eher für diejenigen, die in Berlin leben und arbeiten. Wer nach Berlin kommt, um dort Sehenswürdigkeiten, Museen und geschichtsträchtige Orte zu besuchen, wird schwerlich im 15 Minuten-Umkreis zu Fuß unterwegs sein. Hotels müssten gezielt Anreize „aus der Nachbarschaft“ bieten, die Übernachtungsgäste am besten gleich mitbuchen können. Moderne Hotelmanagement-Systeme geben dieses Tool schon lange her. Warum nicht auch einmal eine Manufaktur oder einen Produktionsbetrieb besichtigen, Vereine besuchen, oder Start-ups kennenlernen? Privates mit Beruflichem verbinden. Einen Workshop, oder ein Seminar in der Nähe zu einem Lieblingsthema buchen? Neue Wohnprojekte besichtigen, Anregungen holen, Netzwerke bilden. Ein Tag im Altersheim verbringen, oder bei der Tafel helfen? Reinschnuppern in andere Arbeitswelten, Menschen aus aller Welt kennenlernen. New-Work und Intelligenter Tourismus verbindet meiner Meinung nach alle Bereiche des Lebens. Warum nicht einmal schauen, was es noch so im Kiez gibt? Nur so werden Touristen zu Freunden und ins normale Leben integriert.

Weitere Informationen zum Thema gibt es auf visitBerlin.de/15-minuten-stadt-berlin.

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