2022 ist ein Jahr des Neustarts! Nicht nur, dass die „Unione dei Comuni Valle del Savio“ sich anhand einer Verbundwerbung dazu entschlossen hat, gemeinsam Gäste in die ländlich geprägte Region der Romagna zu bringen, nein, auch junge Akteure, Künstler und Winzer betreten verstärkt die touristische Bühne der norditalienischen Region und beleben das Savio-Tal mit neuem Spirit. Dabei spielt „Slow Tourism“ in Kombination mit sportlichen Outdoor-Angeboten eine große Rolle.

Von Petra Pettmann M.A., 28. September 2022

Die Adria war in den 50er Jahren ein beliebtes Reiseziel der Deutschen. Das echte, italienische „Dolce Vita“ kann man heute noch ganz in der Nähe erleben. Nicht an der Küste, sondern im unmittelbaren Hinterland, im Tal des Savio. Gerade im Bereich des „Sanften Tourismus“ erlebt Italien eine wahre Renaissance. Wenn es ums Wandern, Radfahren, Agritourismo, oder um kulturelle Genuss-Reisen geht.

Die Emilia Romagna ist mit ihren traditionsreichen Städte Ravenna, Bologna und Rimini für Kultur-Trips bekannt. Doch wer kennt das schöne Savio-Tal? Wie Perlen einer Kette reihen sich hier kleine schöne Städte und Dörfer entlang der Savio in einer Landschaft, die durch viel Grün, sanfte Hügel, Wälder und Weingärten geprägt ist. Hier haben sich die Orte Bagno di Romagna, Cesena, Mercato Saraceno, Montiano, Sarsina und Verghereto bereits im Januar 2014 zu einem Verbund zusammengeschlossen. Gemeinsam wird auch der Tourismus gefördert: Trekking, Kultur, Natur und die Gastronomie sind die Haupt-Attraktionen.

Nun, im September 2022, wurde eine kleine Gruppe von Food- und Reisejournalisten zu einer Presseradtour ins Savio-Tal eingeladen. Sie kamen mit dem Flugzeug, per Motorrad und mit dem eigenen PKW. Was die bessere Wahl war, sei dahingestellt. Die Region wäre generell auch mit dem Zug gut erreichbar. Am bequemsten ist aber immer noch der eigene PKW, denn wer hier herkommt, möchte auch die Spezialitäten der Region mit nach Hause nehmen. Fliegen geht auch nicht schneller, wenn man die Zeiten am Airport und Umsteigzeiten durch nötige Inlandflüge (HH – FRA), Flugstornierungen und Verspätungszeiten, die momentan chronisch sind, einberechnet. Und 8 Kilo im Handgepäck sind schnell erreicht. Geflogen wird ab Frankfurt oder München in die Regionshauptstadt Bologna. Nach 90 Minuten Flugzeit ist man bereits ab Frankfurt am Main in Bologna, mit dem Bus oder Shuttle geht es dann in die Wunschdestination. Für Ärger und Turbulenzen sorgen die derzeitigen Flug- und Logistikprobleme – oft gibt es Verspätungen, die die Nerven und Geduld stark strapazieren. Einmal angekommen, kann schnell auf Entspannungs-Modus umgestellt werden: La Dolce Vita – wir kommen!

Jungwinzerin Elisa Baraghini in ihrem Weinberg auf Castello Montesasso im Savio-Tal. Foto: Petra Pettmann

Weg vom Massentourismus lautet die Devise. Waldbaden und Touren mit dem elektrischen Mountain-Bike durch idyllische Landschaften, Naturparks und Wellness-Angebote findet man hier im Verborgenen abseits des Mainstreams. Geführte Touren lohnen sich, da man gezielt landschaftlich und kulturell interessante Orte erlebt und herzlich eingebunden wird. Wie etwa bei Maela Cavazzi, die erst im Frühjahr 2022 eBike Style gegründet hat und von ihr geführte Touren ins Umland Cesenas anbietet. Das Landleben mit einem Urlaub auf dem Bio-Bauernhof, Guts- oder Landhaus ist für viele ein Herzenswunsch. Modern geführte Weingüter, bei denen der Gast gleich im Weinberg mithelfen darf, wie etwa bei Elisa Baraghini auf Castello Montesasso, ziehen besonders junge, umweltbewusste Menschen an. Sie wollen wissen, wie Wein biologisch-dynamisch produziert, oder wie Käse der Region hergestellt wird, und wie es sich auf dem Land so lebt. Verlassene Dörfer werden gezielt belebt. Musiker und Gitarrenbauer Elvis Moro ist einer von denen, die sich hier in einem kleinen Bergdorf bei Sarsina verwirklicht haben.

Maela Cavazzi – führt mit Herz und Verstand durch die Region. Foto: Petra Pettmann

Kulinarische Reise abseits der Touristenpfade

Die Touristik-Branche Italiens hat den Genuss längst für sich entdeckt und führt Genießer gezielt zu den kulinarischen Genüssen der Region. Der neue Fokus liegt auf Naturerlebnis per Rad und zu Fuß. Ganz nebenbei wird so die italienische Wirtschaft gefördert.

Die geführte Presseradtour durchs Savio-Tal der italienischen Handelskammer für Deutschland führte uns Journalisten entlang des Flusses Savio zu touristischen Destinationen, Wellness-Hotels, traditionellen Restaurants, in Feinkost-Geschäfte und an historische Orte. So lernen wir auch die für die Romagna typischen Produkte kennen. Wobei wir beim Thema Genuss wären. Nicht nur kulturell, sondern auch ganz typisch italienisch: beim Essen und Trinken! In der Gastronomie hat sich Italien die regionale Küche mit saisonalen und regionalen Produkten aus der eigenen Region bewahrt, oft zu erstaunlich günstigen Preisen. Mein Geheimtipp ist „La Taverna di Plauto“ in Sarsina. Wir lernen typische traditionelle Gerichte kennen. Und erfahren, dass alle typischen Speisen, die wir mit Italien verbinden, genau aus dieser Region der Romagna stammen. Wir sind also an der Quelle des Genusses angekommen.

La Taverna di Plauto – mein Geheimtipp für kulinarischen Genuss in Sarsina. Foto: Petra Pettmann

Vom Schlemmen & Genießen im Savio-Tal

Die Emilia Romagna ist vor allem für Spezialitäten wie Parmesan, Parmaschinken, Balsamico und Pasta bekannt. Und für ihren Wein! Bei Elisa Baraghini in Mercato Saraceno lernen wir die Unterschiede der Sangiovese-Traube kennen. Ihre sind heuer klein und zuckersüß. Im Jahrgang 2019 war das anders. Regen machte die Trauben groß, und verwässerte sie gleichzeitig. Die Jungwinzerin mit koreanisch-italienischen Wurzeln führte uns durch ihren 5 Hektar großen Weinberg. Nur 7000 Flaschen produziert sie pro Jahr. Die gehen im Direktverkauf und an die örtliche Gastronomie weg. Noch ist man hier am Experimentieren. Doch Newcomer wie Elisa, die gleichzeitig Zimmer ihres Castello Montesasso an junge Leute, die gerne mithelfen dürfen, vermietet, haben innovative Ideen und ambitionierte Ziele. Hier tut sich etwas!

2022 war allerdings auch ein sehr trockenes Jahr. Gerade in Italien. Die Bauern der Po-Ebene haben große Not. Verdorrte Felder, ausgetrocknete Bachläufe. Es ist die schlimmste Dürre seit mehr als 70 Jahren. Im Savio-Tal spürt man davon nichts. Es hat hier im Sommer zwar kaum geregnet, doch die Bachläufe sind trocken, aber mit üppigem Grün, die Wälder und Weinreben saftig. Die Regierung in Emilia-Romagna und weiteren norditalienischen Gebieten hatte den Notstand ausgerufen. Die Dürre macht besonders den Risotto-Anbauern der Po-Ebene zu schaffen. Man befürchtet dort, dass die Erntemenge von Carnaroli und Co. um bis zu 50 Prozent zurückginge. In der Emilia-Region zwischen Bologna und Cesena sehen wir kilometerweit Apfelplantagen. Auch hier sei der Ernteausfall bei Obst und Gemüse groß.

Im Savio-Tal spüren wir davon fast nichts. Und unser Touren-Guide Ivan Severi meint, dass in Cesena die Welt noch in Ordnung sei. Jedoch sieht man auch hier viel Leerstand im Retail – also in den Geschäften in der Innenstadt, auch die Arbeitslosigkeit sei gestiegen. Die Menschen gehen aber weiterhin mit Familie und Freunden aus, genießen das Essen und das Leben in der schönen Altstadt.

In der Rubrik „Reisetipps zu Kultur und Genuss“ könnt ihr mehr über die einzelnen Etappen im Savio-Tal erfahren. Einfach die einzelnen Beiträge aufrufen und loslesen!

Bagno di Romagna

Sarsina

Wenn klassische „Italienische Gitarren“ erklingen – ein Besuch bei Elvis Moro in Calbano / Sarsina (IT)

Cesena

Mercato Saraceno – Stadt des Weins und der Cappeletti

Mit dem E-Bike unterwegs

Text und Bilder: Petra Pettmann – 28. September 2022

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