TISCHKULTUR – Großartige Gastgeber und ausgezeichnetes Design

Autorin: Julia Dettmer

Eine Rezension von: Petra Pettmann M.A.

            “Zum Träumen schön!“

Zitat: Petra Pettmann

Fotos: Callwey (2022)

Der große Preis der Tischkultur geht mit dem Buch TISCHKULTUR in die nächste Runde.

Endlich komme ich dazu, das Buch „Tischkultur“ von Julia Dettmer, erschienen bereits im Februar 2022 bei Callwey vorzustellen. Zuerst dachte ich mir: warte mal ab, bis es Sommer wird, und das Thema bei den Lesern so richtig in Szene gesetzt werden kann. Und dann kam der Sommer mit Wucht. Mit Temperaturen um die 40°C im Schatten. Von Tischkultur in der Gluthitze war da vorerst keine Rede mehr. Aber jetzt, im sonnigen August, wo die Luft bereits kühler und klarer ist, es einem morgens sogar fast schon kalt vorkommt, jetzt ist die Zeit reif für wundervolle Tafeln im Grünen, im eigenen Garten, auf der Veranda, im Haus an einer großen Tafel. Wohl dem, der all das hat. Oder Freunde hat, die zu einem solchen Fest einladen. Für „Otto-Normalverbraucher“ werden solche Tafeln leider ein Traum bleiben.

So geht es im Buch von Julia Dettmer um stilvolles Tafeln. Als Chefredakteurin der Bunte traf diese sich mit vielen prominenten Interviewpartnern am Tisch, bevor sie sich 2020 als Autorin selbstständig machte. Dettmer ist selbst leidenschaftliche Gastgeberin. Im Buch ermöglicht sie dem Leser spannende Einblicke auf außergewöhnliche Dinnertafeln von Promi-Gastgeberinnen wie Nina Ruge, oder Einblicke in die pure Gastlichkeit Cornelia Polettos Restaurant.

Ein Besuch bei Goldschmuck-Designerin Franzi von Hardenberg und Lili Radu auf „Berlins coolster Dachterrasse“, oder ein Boho-Picknick mit Barbara Becker in ihrer Luxusvilla auf den Venetian Islands bei Miami, lassen uns weit weg träumen vom Alltag. Denn eines ist allen Geschichten gemeinsam: Essen und Tafelkultur werden aufwändig zelebriert, Wohlfühlen und pure Gastlichkeit stehen an erster Stelle. Table-top und Raumambiente harmonieren auf vielfältigste Weise miteinander.

Barbara Becker. Foto: Ostoplo

Als Food- und Profigastronomie-Fachjournalistin, die jahrelang Beiträge zu Table-top-Trends recherchiert und alles, was eine schön gedeckte Tafel ausmacht, vorgestellt hat, begeistert mich natürlich alles, was mit Kochkunst und Tafeln mit Genuss zu tun hat. Ich selbst biete mit EAT HISTORY® GenussKultur und Zeitreisen zu antiken Tafeln an. Mit römischen Repliken und allem drumherum. Als Archäologin und Food-Journalistin bietet sich das einfach an. Das Auge isst mit. Essen ohne Genuss geht nicht! Auch unsere eigene Tafel ist jeden Tag – Sie lesen richtig – jeden Tag! ansprechend gedeckt. Ob im Esszimmer am langen Tisch, auf der Veranda, im Garten, oder vor dem Haus mit Blick auf die Elbe. Das muss einfach sein, wenn man ein Schöngeist und Genießer ist. EssKultur macht uns aus, lässt uns wir selbst sein. In unserer gehetzten Gesellschaft geht diese schnell im Alltag verloren. Genießen ist Fremdwort, Essen wird zur bedeutungslosen Nahrungsaufnahme. Feste und Jubiläen, wie sie unsere Großeltern-Generation noch kannte, bei denen der Tisch festlich gedeckt wurde, verschwinden aus der modernen Fast-Food-Kultur. Heute ist Essen ohne Teller und Besteck die Regel. Umso erfreulicher, wenn das Thema Tischkultur wieder einmal so richtig in den Fokus gerückt wird.

Doch nun zum Buch:

Allein der Titel „TISCHKULTUR“ hat mich schon erfreut! „Das ist meins!“ habe ich ausgerufen und mich auf das Rezensionsexemplar riesig gefreut. Auf 176 Seiten zeigen 14 prominente Gastgeber ihre Art des gedeckten Tisches. Zeigen, was es bedeutet Gastgeber zu sein. Ob elegantes Dinner, oder entspanntes Boho-Picknick am Meer. Ein Rausch der Sinne ist jeweils vorprogrammiert.

Bei Callwey freue ich mich immer auf die wertige Aufmachung des Buches, auf tolle Fotos mit brillianten Farben, auf besondere Inhalte, die nicht alltäglich sind. Das Layout ist ansprechend, Stimmung wird transportiert, die menschliche Seite der Protagonisten gezeigt. Wunderbar! Ein Buch mit Tiefgang und Stil.

Das Buch ist eine Ode an die vielfach vergessene Freude Gastgeber zu sein. Es macht Arbeit Gastgeber zu sein. Aber auch eine Menge Freude. Und das schon in der Vorbereitung. Diese Freude der Vorbereitung bestimmt das Buch.

Thomas Anders beschreibt die Vorfreude und die Anspannung ein Fest als Gastgeber auszurichten. Gerade bei Familie Anders spürt man die Detailverliebtheit in Bezug auf die Auswahl der Tischdekoration und des Geschirrs, wofür Frau Claudia verantwortlich zeichnet.

Foto: DINEUS Familie Anders

Schauspieler Michael Brandner freut sich für jedes Fest mit seinen Freunden darauf, dass er sich mit frischen Zutaten mal wieder so richtig austoben kann.

Michael Brandner. Foto: Lisa Hantke

Bei Nina Ruge wären wir wohl alle gerne Gast. Ihre große Tafel auf ihrem Weingut Villa Santo Stefano in der Toscana zeigt Freude und Lebensstil. Bunt gemischt und farbenfroh stehen Schüsseln, Platten und Teller auf der Tafel, an der in lockerer Runde getafelt wird. Bei ihr ist gute Planung alles!

Nina Ruge. Foto: Callwey

André Schulz holt für ein besonderes Frühstück gerne auch mal das Tafelsilber aus dem Nachlass Königin Viktorias heraus, oder das Silberbesteck von Prinzessin Margaret, welches er in London selbst ersteigert hat. Den Kaffee gibt es frisch gemahlen und selbst aufgebrüht. Dazu zeigt er sich bodenständig: „Ich will nette und normale Leute um mich haben, keine Schaumschläger…“. Das macht den Starfriseur aus München echt sympathisch.

André Schulz. Foto: Lisa Hantke

Aber auch die Ausrichtung eines Kindergeburtstages von Tamara Gräfin von Nayhauss zeigt die Vielfältigkeit Gastgeber zu sein. Und dass es nie zu früh ist, auch Kinder an einen gedeckten Tisch dem Anlass entsprechend heranzuführen.

Tamara Gräfin vn Nayhauß. Foto: Callwey

Besonders gefällt mir bei dem Buch, dass jeder Gastgeber drei Tipps für seine Art der Feier gibt. Zum Beispiel ein Tipp von Modern-Talking-Schlagerstar Thomas Anders, der mit Frau Claudia auf Ibiza ein Paradies „La Concha Blanca“ erschaffen hat, und den Gästen voller Hingabe eine kleine „Auszeit vom Alltag“ ermöglicht. Seine Tipps kurz und bündig: Tisch-Deko frühzeitig planen und möglichst am Vorabend eindecken. Dabei immer locker bleiben, gemeinsam kochen in der Küche, und sich darauf freuen den Gästen einen wunderschönen Abend zu bereiten.

Da dürfen die wichtigsten Knigge-Grundregeln – für Gastgeber – natürlich auch nicht fehlen. Erklärt von Knigge- und Etikette-Experte Mikael Horstmann. Gelebte Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Ruhe sind gefragt. Schlechte Laune Tabu. Zur Deko meint er: „Wenn Blumen und andere Tischdekoration von der Ödnis langweiligen Tafelgeräts ablenken soll, ist etwas schiefgelaufen.“

Im Anhang folgt dann eine Werbestrecke des „Großen Preises der Tischkultur“ mit 15 preisgekrönten Table-top-Produkten (Auszeichnung Dineus Tisch 2022), der mich persönlich eher abschreckt, da er die gerade entstandene wunderbare Stimmung mit einem Schlag aufhebt. Marketing geschönte Texte zum Nachtisch lassen den Traum vom Tafelmärchen schnell zerplatzen.

Als Anregung sind diese ausgezeichneten Produkte der Tischkultur wohl gut gemeint, das Buch will ja auch finanziert sein. Was allerdings ein Kaffeevollautomat, Waffeleisen, oder eine Lunch-Box aus Kunststoff auf der Tafel zu suchen haben, frage ich mich ernsthaft. Mit Tischkultur hat das nichts zu tun. Mit dem Thema auch nicht.

Die ausgezeichneten Porzellanmanufakturen bieten zudem sehr spezielles Geschirr, welches im normalbürgerlichen Haushalt kaum universell einsetzbar, geschweige denn bezahlbar ist. In heutiger Zeit hat kaum noch jemand ausgefallenes, teures Geschirr im Schrank. Es wird gemixt im Formenspiel, und wenn groß getafelt wird, dann oft in „weiß“.

Trotzdem: Ein toller Ansatz. Gemeinsam Tafeln darf nie aussterben! Nichts ist schlimmer, wie wenn jeder ohne Geschirr gerade das aus dem Kühlschrank (fr)isst, worauf er gerade Hunger hat, oder der Pizza-Service bestellt und aus dem Karton gegessen wird, so selbst erlebt vor einigen Wochen bei einem offiziellen Festakt mit Urkundenübergabe. Genießen und Wohlfühlen brauchen Ambiente und Gemeinsamkeit, gute Vorbereitung und Freude am Genuss. Und ja: das nötige Kleingeld auch 😉!

Fazit: Als Anregung gut! Nett zu lesen. Tolle Bilder. Alltagstauglich: nein. Muss es auch nicht! Das Buch ist hochinteressant und charakterstark. Zum Träumen schön!

Link: https://www.callwey.de/buecher/tischkultur-2022/ mit Leseprobe.

Informationen zum Buch:

Autor: Julia DettmerTischkultur
Quelle:Callwey
Erscheinungsdatum:Februar 2022
Preis:45,00 € (geb.)
Größe:198 x 255 mm, fester Einband
Seitenzahl:176 Seiten, ansprechende Farbfotos
ISBN:ISBN 978-3-7667-2570-7

Dies ist eine Rezension von Petra Pettmann M.A., Journalistin DJV.

Kontakt: Pressebüro PP-Kommunikation, Marschdeich 1, 21354 Bleckede, Fon: 05852 958 7 958; Mail: presse@pettmann.de, Homepage: www.pettmann.de. Es gelten meine AGB, einzusehen auf www.pettmann.de. Die Vervielfältigung und Verwertung der Rezension, auch in Auszügen, ist ohne meine schriftliche Zustimmung nicht erlaubt. Datum der Rezension: 10. August 2022