Ein nachdenklicher Beitrag von: Petra Pettmann M.A.

2021 ist anders als die Jahre zuvor. Die Welt hat sich verändert. Im Grossen wie im Kleinen. Woran merkt man das? Und worin liegt die Gefahr? Gibt es einen Weg aus der Krise?

Die vierte Welle kommt. Nein, sie ist schon da. Gemeint ist damit vordergründig die Corona-Pandemie, die weltweit für Veränderung, Leid und Unruhe sorgt. Ein winziges Virus hat uns Menschen gezeigt, wie verletzlich wir sind. Wie wenig unsere Gesellschaftssysteme auf scheinbar nicht Vorhersehbares eingestellt sind. Wie schnell das „Miteinander“ nicht mehr funktioniert. Denn das System ist gesprengt. Ganz ohne Knall. Still und leise, fast unheimlich.

Mit dieser weltweiten „Krise“ hat niemand gerechnet. Mit den Folgen der einschneidenden Richtlinien zur Eindämmung der Pandemie, die je nach Land und Ort verschieden sind, auch nicht. Was sind die Grundlegenden Änderungen, die auf uns Menschen damit zugekommen sind? Die unseren neuen Alltag ausmachen?

Mit „Just in time“ in die Sackgasse?

Das „Aus“ für „Just in time“ ist gekommen. So manches Lager ist leer. Unternehmen kommen teils nicht mehr an dringend nötigen Nachschub heran. Denn die Lieferketten sind unterbrochen. Fehlt auch nur ein Teilchen im Produktionsprozess, so wird es nichts mit dem Produkt. Lager hat man aus Kostengründen schon lange ins Jenseits verbannt. Überflüssig! Alles im Flow! Doch nun ist eben nicht mehr alles im Flow. Kolonialistische Strukturen, Billigproduktion auf Kosten der Menschlichkeit, Lohndumping und Habgier führten in die Sackgasse.

Fachkräfte ohne Job

Im Dienstleistungssektor haben die Menschen im besten Fall Alternativen zum bisherigen Job gefunden, denn viele Betriebe mussten Corona bedingt ihre Türen schließen. Brauchten ihre gut ausgebildeten Mitarbeiter von heute auf morgen nicht mehr. Doch die Verträge, Pachten, Mieten und Fixkosten liefen weiter. Die Kundschaft bleibt aus. Das Geld sitzt nicht mehr locker. Doch die Werbebotschaften sind noch die selben. Aufwachen ist angesagt.

Zermürbendes Hin & Her

Darf geöffnet werden? Unter welchen Konditionen? Für wie viele Personen? Nur für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete? Mit welchem Hygienekonzept? Und für wie lange? Die Verwirrung ist perfekt. Ein „einfach“ gibt es nicht mehr, kann es nicht mehr geben. Wie lange kann die Wirtschaft das verkraften? Wo sind die Lösungen, was muss jetzt geschehen?

Was ist schlimmer: Corona, oder eine Weltwirtschaftskrise?

Das Leben eines jeden ist schützenswert. Das versteht sich von selbst. Doch was, wenn wir die nächsten Jahre die Corona-Pandemie nicht in den Griff bekommen? Wenn es nicht nur diese Delta-Variante gibt, sondern andere folgen? Wenn die Angst auf andere Menschen zu treffen und ernsthaft zu erkranken oder gar zu sterben, unser Leben lahmlegt? Die Auswirkungen sind jetzt schon spürbar. Der Groll der Massen kaum noch einzudämmen. Denn sie verstehen nicht worum es tatsächlich geht.

Brot & Spiele for ever?

Schon die alten Römer wussten es: Gib dem Volk Brot & Spiele! Lass die Massen ins Amphitheater, zum Wettkampf in die Arenen und bespaße sie. Halte sie bei Laune! Dann hast du Ruhe. Doch momentan liegt vieles was Spaß macht auf Eis. Der Mensch ist auf sich selbst zurückgeworfen. Und bei so manchem ist da nicht viel. Denn die Konsumkultur mit ihren ewigen Ablenkungen vom Elementaren hat eine Gesellschaft hervorgebracht, die mehr im „Außen“ lebt und sich selbst und die wirklich elementaren Bedürfnisse kaum noch wahrnimmt. Nicht mehr reisen können. Kein Kino. Kein Fußball. Keine Konzerte. Keine Massenveranstaltungen, kein Oktoberfest. Keine Messen. Keine Kongresse. Keine Events. Keine wilden Partys und keine durchtanzten Nächte. Corona ist eine Spaßbremse.

Wo ist die „Leichtigkeit des Seins“ geblieben?

Für wenige Wochen hat das Land aufgeatmet. Niedrige Inzidenzen ermöglichten das Zusammentreffen mit Menschen. Es wurde durch die Straßen gebummelt, im Café gesessen, gelacht und miteinander gesprochen. In der Hotellerie und Gastronomie fühlte es sich wieder wie „fast normal“ an. Nur allzu gern „vergisst“ man den Ernst der Lage. Für ein bisschen Spaß am Leben. Austausch, miteinander sein. Selbst an den Anblick „mit Maske“ haben wir uns gewöhnt. Ob die Augen des Gegenübers freundlich leuchten, oder eiskalt blicken. Unsere Sinne sind geschärft. Wir beobachten genauer. Registrieren und checken unser Umfeld akribischer als je. Die Gesellschaft hat sich geändert. Die Leichtigkeit des Seins eingebüßt.

Das Wesentliche zählt

An Krisen zeigt sich der Wert einer Gesellschaft. Gibt es Zusammenhalt? Oder zeigt sich Instabiles? War die eingeschlagene Richtung richtig oder falsch? Was sind die wesentlichen Punkte, die eine Gesellschaft zukunftsfähig macht? Und ist egozentrisches Staatsdenken überhaupt noch tragbar, wo die Welt doch ein gemeinsames Problem hat? Das Entstehen von Seuchen hat Ursachen. Diese Ursachen zu erkennen und – falls menschenmöglich – diesen entgegen zu steuern, zählt zu den überlebenswichtigen Fähigkeiten und Aufgaben, die zeigen werden, ob wir Menschen auf diesem Planeten existieren können. Die Einen leben immer noch im Luxus, den Anderen fehlt es an den einfachsten Dingen, die sie zum Leben brauchen. Auf Dauer ein No-Go.

Weiter so geht nicht

Ich habe das Gefühl, dass in vielen Köpfen noch gar nicht angekommen ist, dass es ein „Weiter so“ gar nicht mehr geben kann. Selbst wenn wir alle es wollten. Die Zeichen der Zeit stehen auf Änderung: Klima-Änderung. Lebensraum-Änderung, auf Änderung in unserer Lebensweise, Wirtschaftsweise, im Großen wie im Kleinen.

Wenn das Klima sich ändert

Unabhängig davon, warum sich das Klima ändert, ist festzustellen, dass es sich massiv verändert. Wir spüren es, wir sehen es in den Nachrichten, die Meldungen häufen sich. Extreme Dürre mit Waldbränden, extreme Unwetter mit Überschwemmungen, Wasserknappheit, Ernteausfälle, Waldsterben, Artensterben in nie dagewesener Form und Schnelligkeit. Die sich schnell ändernde Wirklichkeit überrascht und überfordert uns. Gewohnte Abläufe passen nicht mehr. Auf den Frühling folgt kein Sommer mehr, sondern unruhige Zeiten.

Eigentlich ganz normal

Betrachtet man die verschiedenen Erdzeitalter mit ihren langen Eiszeiten und kurzen Warmzeiten, dann zeigt sich, dass der Mensch sich in den letzten Jahrtausenden des Öfteren extremen Wechseln anpassen musste und so manche Seuche und Naturkatastrophe überlebt hat. Im Pleistozän reichten die Gletscher des Nordens bis weit in unseren heutigen Lebensraum. Da wo heute städtisches Leben pulsiert, gab es nur scheinbar ewiges Eis. Im Holozän dann erwärmte sich der Planet. Gletscher schmolzen und hinterließen uns die heutige Geländestruktur mit Geest und Marschlandschaften, Flüssen, Mooren und Seen. Das menschliche Leben breitete sich unaufhaltsam aus, nahm sich Raum, grub sich tief in die Erde und hoch in den Himmel. Kaum ein Fleck, den wir nicht besiedelt, mit Straßen und Schienen durchkreuzt, abgetragen, aufgeschüttet, verändert, übervölkert, oder bereits zerstört haben.

Das alte Schema passt nicht mehr

Die Kunst ist es nun mit den neuen Begebenheiten zurecht zu kommen. Überleben auch für zukünftige Generationen zu sichern. Den Planeten für sämtliche Lebewesen im Einklang mit der Natur zu gestalten. Ob immer mehr Technik und Chemie da die Lösung sind, wage ich zu bezweifeln. Ob jeder immer überall sein muss, ist die große Frage der Zukunft. Die Welt ist klein geworden, jeder Quadratmeter per Satellit einsehbar, digital vernetzt, transparent, und doch nicht planbar. Denn wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Den Wirt „Erde“. Sozusagen am Thema vorbeigeplant. Am Schreibtisch wie ein Nerd geplant, ohne zu merken, dass die Grundlage fehlt. Dass wir Menschen aus Fleisch und Blut sind und unsere natürliche Umwelt brauchen. Manchmal frage ich mich, warum Menschen nicht aus ihren Fehlern lernen wollen. Warum sie nicht reflektieren, dass sie auf dem falschen Weg sind. Auf einem Weg, der den Planeten zerstört, Leben unmöglich macht. Warum will man dort wo Fluten Häuser und Straßen zerstört haben und immer wieder zerstören werden, wieder das Gleiche aufbauen? Warum wird da gebaut, wo eh schon zu viel Mensch ist? Warum muss es immer „ein bisschen mehr“ sein? Ist nicht „weniger mehr“?

Ist nicht „weniger mehr“?

Weniger Müll. Weniger Lärm. Weniger Eingriffe in die Natur. Weniger Zerstörung. Weniger Ausbeutung. Dafür mehr Einfachheit. Mehr Ruhe. Mehr Genügsamkeit. Mehr Wesentliches. Die Corona-Pandemie ist nicht nur Last, sondern eine große Chance. Sie betrifft alle Menschen unseres wunderbaren Planeten. Jeder Einzelne hat am eigenen Leib gespürt, was es bedeutet „Mensch“ zu sein. Wie schnell menschliches Leben ausgelöscht sein kann, wenn unvernünftig und egozentrisch damit gespielt wird. Wie wenige rücksichtslose Menschen unser aller Leben in Gefahr bringen, die Wirtschaft in die Knie zwingen, unsere Gesellschaftsform aus den Angeln heben. Wie ungerecht es noch auf der Welt zugeht. Es gilt klug zu entscheiden, ob „Brot & Spiele“, oder „Vernunft & Menschlichkeit“ die nächste Ära dominieren. Denn die Auswirkungen in die eine oder andere Richtung werden die Menschheitsgeschichte nachhaltig prägen.

Eine Welt – Eine Zukunft

Nur wenn alle Länder dieser Erde gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Ressourcen allen gleichermaßen zur Verfügung stehen und Verschwendung als auch Ausbeutung ein Ende hat, kann es Zukunft geben. Ohne eine funktionierende Umwelt, in der Tiere und Pflanzen gleichberechtigt ihr Dasein fristen können, wird es auch kein Überleben für den Menschen geben. Dazu gehört auch eine verständnisvolle, offene Gesellschaft die unabhängig von ihrer bisherigen Lebensform Neues wagt. Dies den „einfachen“ Menschen wie dir und mir und „Regierenden“ aller Weltenstaaten klar zu machen, ist die größte Aufgabe und Herausforderung unserer Zeit.

Ein gemeinsamer Plan

Noch denken viele nur an sich. Selbst geeinte Länder entzweien sich infolge der Schwierigkeiten, die Klimawandel, Pandemien und Wirtschaftsverfall mit sich bringen. Dabei wäre es gerade jetzt an der Zeit gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Welt lässt uns keinen Aufschub. Die Regeln der Evolution haben sich geändert. Nicht der Stärkere, sondern der Schlauere überlebt. Doch selbst wenn die neue Generation meint die Welt digital im Griff zu haben, wird sie nicht umhinkommen, das Biologische anzuerkennen. Sei denn Klone und Roboter wären das Ziel.