Liebe Leser und Leserinnen,

wir alle haben dank Corona ein Jahr hinter uns, welches wir lieber nicht in dieser Form erlebt hätten. Und doch sehe ich in dieser Corona-Krise, die sich zu einer weltweiten Wirtschafts-Krise entwickelt, auch eine Chance. Die Chance neu zu denken. Weltweit. Jetzt.

Ich sehe Chancen, den eigenen ganz persönlichen Weg, als auch den Weg des eigenen Unternehmens, oder dessen inhaltliche, personelle, räumliche und zielgruppenspezifische Ausrichtung neu zu überdenken. Chancen, das eigene Tun zu überdenken. Denn nichts ist mehr so, wie es vor Corona war. Das Leben und das Wirken in Gemeinschaft werden sich umfassend verändern. Auch dann, wenn wir Covid-19 besiegt haben. Denn es ist nicht die einzige Baustelle, die wir auf der Welt haben.

Noch haben wir die Pandemie nicht überstanden. Den Klimawandel schon gar nicht. Noch nimmt die Menschheit sich mehr von diesem Planeten, als dieser es vertragen kann. Eine Lektion jedenfalls hat uns das Virus erteilt: „Bedenke, du bist nur ein Mensch“. Ein Mensch, der sterblich ist. Ein an die Sterblichkeit gemahnender menschlicher Begleiter wie im antiken Rom, der den Triumphierenden beim Triumphzug vor Überheblichkeit bewahren und vor Neid schützen sollte, wäre uns ein guter Begleiter. Erinnert er damals wie heute doch daran, dass wir ein Teil des großen Ganzen sind, dass wir nicht unsterblich sind, dass wir nicht wie Maschinen funktionieren, sondern als menschliches Individuum sehr verletzlich sind. Und dass es uns nur gemeinsam gelingt, angemessene Antworten im Einklang mit der Umwelt und dem menschlichen Tun zu geben.

Alarmstufe Rot ist längst erreicht. Nicht nur in unserer Branche. Doch hier im Besonderen. Leider. Großevents fallen aus. Globales Reisen ist stark eingeschränkt. Tourismus auf Eis gelegt. Kongresse, Messen, Meetings, Incentives, Treffen mit Kunden und Geschäftspartnern, finden immer mehr virtuell und nicht mehr 1:1 im persönlichen Gegenüber statt. Business wie gehabt ist Geschichte.

Was bedeutet dies für die Catering-, Gastronomie-, Hotellerie- und MICE-Branche? Und auch für den Handel, für Stores & Shops? Es bedeutet, dass die Auslastung fehlt. Dass der Umsatz zurück geht. Dass Personal nicht mehr bezahlt, sondern entlassen werden muss. Dass Hotelzimmer ungenutzt bleiben. Tagungsräume leer stehen. Dass der Tisch im Restaurant leer bleibt. Für den einen oder anderen bedeutet es also auch das AUS. Ein Horror-Szenario.

Noch können wir alle nicht wissen, was 2021 auf uns zukommt. Deshalb aber den Kopf in den Sand zu stecken, wäre der falsche Weg. Die Geschichte hat gezeigt: jede Krise, ob Wirtschaftskrise, Seuche, oder Krieg, hat ein Ende. Und danach beginnt eine neue ÄRA. Eine Zeit, in der sich die Menschen, die überlebt haben, an die neue Situation angepasst und Überlebensstrategien entwickelt haben. So wie es die Evolution vorschreibt, der auch wir Menschen unterworfen sind. Nach dem Motto: Survival of the fittest. Was also macht uns widerstandsfähig? Was lässt uns mutig in die Zukunft blicken?

Denjenigen, die mit Mut und frohem Geist nachhaltig Neues schaffen, gehört die Welt. Und geht nicht bekanntlich immer wieder eine Tür auf, wenn sich eine andere geschlossen hat? Was ich damit sagen will: die neue ÄRA hat begonnen. Das Virus hat uns gezwungen die uns bekannte Welt auf den Kopf zu stellen. Nichts ist mehr „NORMAL“. Denn das, was wir und unsere Zeitgenossen heute als normal empfinden, war vor der industriellen Revolution nicht denkbar. Und heute scheint es ganz normal, dass wir in einer smarten Welt leben.

Mir scheint allerdings, dass das Versprechen dieser smarten Welt oft noch Fiktion ist. Denn wo sind sie geblieben, die helfenden kollaborativen Roboter, die gerade jetzt in der Corona-Pandemie einspringen und dort helfen könnten, wo die Ansteckungsgefahr groß ist. Ja. Es ist wohl doch noch eher eine Zukunftsmusik, die allzu laut von vielen Firmen gespielt wurde. Wären wir in Punkto sicherem Datenfluss bereits ein Stückchen weiter, hätte es keine Probleme mit der Rückverfolgung von Corona-Infizierten gegeben, würden Ärzte auf einem Chip gleich erkennen können, wie gesund oder krank ein Mensch ist. Gäbe es mehr künstliche Intelligenz, die uns im Alltag und Beruf unterstützt, dort wo es Sinn macht, dann müssten Menschen keinem extremen Risiko mehr ausgesetzt werden. Doch so weit sind wir noch nicht.

Es werden tatsächlich noch Faxe geschickt. Es wird noch auf Zetteln registriert. Es gibt noch keine Transparenz im Handeln. Die Datensicherheit für eine Anhebung unserer Entwicklungsstufe auf ein vertrauensstiftendes Niveau ist noch nicht gewährleistet. Wenn Menschen sich im öffentlichen Raum als auch in Inneren von bestehenden Gebäuden bewegen, sind sie latent immer der neuen Gefahr „Virus“ ausgesetzt. Eine Gefahr, an die kein Städteplaner, kein Architekt, kein Küchenplaner und auch sonst niemand gedacht hat. Nun breitet sich das Virus nahezu unkontrolliert aus. Die Menschen sind überfordert und verlieren schnell den Überblick.

Eines ist sicher: Das Leben und das Arbeiten verändern sich. Städteplanung verändert sich. Handel ändert sich. Hospitality ändert sich. Gastronomie ändert sich. Energie-Konzepte ändern sich. Mobilität ändert sich. Freizeitgestaltung ändert sich. Räume zum Leben, Arbeiten, Essen, Feiern, Träumen & Ideen verwirklichen, ändern sich. Wie? Das haben nun Sie – jeder für sich für seinen Bereich – in der Hand. Denn wir sind die Branche, die im Außer-Haus-Markt mit neuen Denkansätzen die Weichen stellt. Einem Markt, den es auch nach Corona noch geben wird. Nur anders.

Wird es zukünftig mehr Künstliche Intelligenz in unseren Locations, Küchen und Büroräumen geben? Werden wir noch im Betriebsrestaurant mit 2000 Menschen gemeinsam zur gleichen Zeit essen können und wollen? Oder wird es in Richtung Home-Office und Remote-Teams gehen, die örtlich getrennt miteinander über Videokonferenzen miteinander kommunizieren und arbeiten? Werden in Produktionsbetrieben noch Menschen, oder kollaborative Roboter arbeiten? Wird es in Zukunft noch eine Rolle spielen, von wo aus man als Mensch arbeitet? Ist es vielleicht sogar gut, dass die Mobilität und somit die Umweltzerstörung reduziert werden? Können neue Projekte jetzt nicht viel innovativer geplant und umgesetzt werden? Werden sich dadurch nicht ganz neue, interessante Möglichkeiten auch für Sie und Ihre Unternehmen auftun?

Wo werden Sie ansetzen, um mehr Luft, Licht und Raum in Ihre Locations zu bringen? Um Menschen, die zu Ihnen kommen, besser zu schützen? Diesen im Sinne von New Work einen lebenswerteren Raum zu schaffen? Wie werden Menschen zufrieden arbeiten, wo sie sind? Wie werden Sie klimaneutral handeln? Wie werden Sie den Energieverbrauch reduzieren? Wie natürliche Ressourcen schonen? Wie werden Sie Abfall vermeiden? Wie werden Sie Trinkwasser nur noch zum Trinken verwenden? Wie und womit werden sich Menschen zukünftig ernähren?

Werden Großküchen zur gläsernen Produktion, die Speisen flächendeckend an alle Menschen ausliefern? Wird es mit durchdachten Kreislaufkonzepten in Großstädten, Industrie-Regionen und auch ländlichen Regionen gelingen, Nahrung zu erzeugen, ohne dafür knappe Rohstoffe, Landschaft und Freiflächen zu opfern? Werden nachhaltige Umweltprojekte wie „Klein Eden“ in Oberfranken, unter dessen Glasdach exotische Früchte und biologische Lebensmittel erzeugt, und Nilbarsche und Tilapia-Fische auch in atypischen, für diese Pflanzen und Tiere unwirtlichen Regionen ihre Kreise ziehen, bald gelebte Realität? Werden bald auch bei uns futuristische energieneutrale Gebäude aus dem 3-D-Drucker entstehen, wie sie die Architekten von Mario Cucinella Architects aus Italien bereits in Form des Prototyps TECLA für ein Zeitalter der exponentiell wachsenden Weltbevölkerung bauen? Werden wir neue Wohn- und Arbeitsformen entwickeln, die es den Menschen ermöglichen vor Ort so zu leben und zu arbeiten, dass echte Gemeinschaft entsteht? Und werden kollaborative Roboter, wie sie Unternehmen unserer Branche bereits entwickeln, bald im Catering, House-Keeping, und Care-Bereich großflächig eingesetzt, so dass Smart-Cooking und smarte Restaurants, Hotel- und Pflegeeinrichtungen bald das neue „Normal“ werden?

Die Frage ist doch: Haben Sie Visionen? Und können Sie mit der neuen Realität mithalten? Möchten Sie Zukunft gestalten? Helfen Sie mit, ein Baustein der neuen Welt zu sein, in der es auch darauf ankommt, Dinge und Materialien vollständig wieder zu verwenden und zu recyclen. In der Abfall vermieden wird, Ressourcen geschont, und verantwortungsvoll mit unserem Planeten umgegangen wird.

Nutzen Sie den Lock-Down um neu zu denken.

Bleiben Sie innovativ! Und bleiben Sie gesund!  

Ihre Petra Pettmann                                                                                                                   

im Dezember 2020

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