HAMBURG, 09. Juni 2020. Es ist schon ein bisschen traurig, wenn man sieht, wie leer es am neuen Überseeboulevard in der Hamburger Hafen-City ist. Meine Gastro-Tour führte mich gestern ins neue Viertel. Ich war neugierig, wie sich das neue Herzstück der HafenCity mittlerweile entwickelt hat. Zwischen Magdeburger Hafen und Elbphilharmonie, Kreuzfahrtzentrum und Speicherstadt soll dieses neue Quartier Raum zum Flanieren, zum Shoppen und zum Genießen in maritimer Atmosphäre bieten. Doch Corona hat dem ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wir fahren ins Parkhaus. Ein Euro Parkgebühr für die ersten 30 Minuten, für die nächsten 30 Minuten schon 1,50 Euro. Na ja. Drinnen ist es so eng, dass man mit dem PKW kaum herum kommt. Nie mehr wieder!

Wir nehmen den Fahrstuhl. Drinnen liegen noch die Handwerkerhinterlassenschaften. Malerflies und sonstiges. Aber weit und breit keine Handwerker. Haben alle das Corona-Schiff verlassen?

Oben angekommen, sind wir enttäuscht. Nur vereinzelt sind die Flächen von Stores belegt. Vieles steht noch leer. Nur die Gastronomie, Rossmann, Edeka Böcker und einige mehr sind bereits angekommen.

Im Café Bistro „Wildes Fräulein“ ist es still. Keiner da. Nur eine einsame Service-Kraft hinter dem Tresen wartet sehnsüchtig auf Gäste.

Wunderbare Tische aus massivem Holz mit Füßen im Industrial-Style gibt es in der „Tischfabrik 24“. Diese gefallen mir auf den ersten Blick. Aber auch dort ist niemand im Store. Ich frage mich, wie diese Retailer die nächsten Monate und die horrenden Mieten und Pachten überstehen wollen. Die Fixkosten sind sicher sehr hoch. Ein Trauerspiel.

Wer hier wohnt, muss viel Geld haben. Und kein Auto. Wenn erst einmal wieder die Touristen wie Horden in Hamburg einfallen, dann ist es mit der Ruhe im Quartier wieder vorbei. So soll es ja auch sein.

Vereinzelt verirren sich mutige Touristen, die der Corona-Krise trotzen. Leer ist der neue Marktplatz. Ein Kind zieht mit seinem Fahrrad Kreise. So leer wie jetzt wird es hoffentlich dort nie mehr sein. Dort, wo eigentlich Comedians unter freiem Himmel auf dem Marktplatz ihre Kunst präsentieren sollten.

Die Schautafel „Auf nach Übersee 2020“ präsentiert das Eventprogramm für April bis Juli 2020. Aber: Nachträglich steht an jedem Programmpunkt „Abgesagt“. Corona lässt grüßen. Nichts geht. Alle Events und Ausstellungen wären eigentlich öffentlich und kostenfrei. Informieren kann man sich unter http://www.überseequartier-nord.de und http://www.überseeboulevard.de.

Bei dean & david sitzt kein Mensch. Alles leer. Normalerweise wäre hier hochbetrieb, denn die Systemer sind beliebt.

Nur bei Andronaco – meinem Lieblings Großhandel italienischer Feinkost – stehen sogar einige Leute Schlange. Drinnen ist es genauso leer. Kaum ein Tisch des Bistros ist besetzt.

Und die Ausstellungstafeln mit bunten Bildern, z.B. dem von Dietmar Plath mit dem Titel „Fernweh“ bringen ein bisschen Leben.

Wenn nicht bald Leben einkehrt, wird es dieser Shopping-Mall schneller so gehen, wie den meisten anderen auch. Dies wäre jammerschade.

Ein Beitrag von Petra Pettmann M.A.

IMPRESSIONEN

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Fotos: Petra Pettmann M.A.