Am Mittwoch, den 9. Januar 2019 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den aktuellen Ernährungsreport 2019 vorgestellt. Statistische Grundlage war die Befragung von rund 1.000 Bundesbürgerinnen und -bürgern ab 14 Jahren zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten. Die Befragung hat das Meinungsforschungsinstitut forsa im Oktober und November 2018 durchgeführt.

Dazu Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft: „Der Report liefert eine gute und wichtige Datengrundlage. Er zeigt auf, was bei uns auf den Tisch kommt, was den Bürgerinnen und Bürgern bei Lebensmitteln und Ernährung wichtig ist, wie sich Prioritäten im Laufe der Zeit gegebenenfalls ändern, welche Rolle Preise und Kalorien spielen. Die Haupterkenntnis: Lecker und gesund soll es sein. Neun von zehn Verbrauchern ist gesundes Essen wichtig. Und so gut wie allen – 99 Prozent – muss das Essen schmecken.“

Diese Erkenntnisse sind schlicht gesagt nicht überraschend und haben darum auch keinen besonderen Nutzwert. Wer isst freiwillig Lebensmittel, die ihm nicht schmecken?

Gleichzeitig würden diese „repräsentativen Ergebnisse“, die auf 32 Seiten Bilderbuchartig präsentiert werden zeigen, dass sich eine große Mehrheit immer bewusster ernährt. Zitat: „71 Prozent ist es wichtig, dass Fertigprodukte weniger Zucker enthalten, 68 Prozent wollen weniger ungesunde Transfette und 38 Prozent weniger Salz. Über allem steht aber der Geschmack, als Staat sollten wir daher auch keine Produktrezepte vorschreiben, die im Alltag zu Ladenhütern werden. Insofern sind die genannten Zahlen eine Bestätigung, dass wir hinsichtlich unseres grundsätzlichen Ansatzes und der bereits ergriffenen Maßnahmen im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz den richtigen Weg eingeschlagen haben. Gerade der Aspekt der Innovation ist für die Verbraucher dabei wesentlich, durch starre Vorgaben würde diese gebremst werden. Konkret wollen nur sieben Prozent, dass die erwähnte Zuckerreduzierung durch künstliche Süßstoffe ausgeglichen wird. Mein Ministerium fördert deshalb ein Projekt, das aus der Zuckerrübe kalorienarmen Zucker gewinnt.“

Julia Klöckner weiter: „Der Ernährungsreport unterstützt auch unser Vorhaben, ein staatliches Tierwohlkennzeichen einzuführen, das über ein reines Haltungskennzeichen hinausgeht. 81 Prozent der Befragten befürworten ein offizielles Siegel, das sicherstellt, dass Nutztiere besser gehalten werden als gesetzlich vorgeschrieben ist. Deutlich gestiegen im Vergleich zum Vorjahr ist zudem die Zahl der Befragten, die es wichtig oder sehr wichtig finden, Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen vorzufinden. Den Verbrauchern geht es also um transparente und differenzierte Informationen, nicht nur um eine grafische Simplifizierung.“

Zugenommen hätte die Außer-Haus-Verpflegung, die Klöckner deshalb bereits stärker in den Blick genommen hat. Das gelte für Kantinen und insbesondere die Verpflegung in den Schulen. Dazu Klöckner: „Zur Verbreitung der Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für leckeres und gesundes Essen trägt mein Ministerium mit dem Ausbau und der Stärkung der Schulvernetzungsstellen bei. Damit entsprechen wir dem Anliegen von 95 Prozent der Befragten, dass Kinder die Grundlagen der gesunden Ernährung schon in der Schule lernen sollten.“

Der Report bekräftige zudem die Maßnahmen zur Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung.

  • 84 Prozent sehen die Reduzierung des Lebensmittelabfalls als einen geeigneten Weg an, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.
  • 44 Prozent sprechen sich in diesem Zusammenhang zudem für eine Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft aus.

Diese Aussagen muten mit Verlaub naiv oder manipulativ an. Um die Weltbevölkerung zu ernähren, braucht es neben diesem wichtigen Aspekt der Abfallvermeidung wesentlich einschneidendere Maßnahmen und Gesetze.

Ein wichtiger Schritt wäre es der GEN-FOOD-INDUSTRIE (Bayer, Monsanto & Co.) durch ein Verbot von GVO einen Riegel vorzuschieben. Genveränderte Organismen gehören nicht angebaut und nicht in unsere Nahrungskette. Landwirte werden abhängig gemacht, diese zu nutzen. Selbst Biobauern haben oft nicht die Wahl auf CMS-Hybride zu verzichten, da die Gesetzgebung massive Sicherheitslücken und Schlupflöcher zulässt, die das einschleußen von GVO-Ware immer wieder möglich macht.

Darum geht es: Mit der CMS-Technik wird die Selbstbefruchtung des Saatguts verhindert. Es entstehen CMS-Hybride. Artfremde Zellen werden miteinander verschmolzen. Man kombiniert männlich-sterile Pflanzen mit einer Zelle der zu züchtenden Pflanze (z.B. Kohlsorten wie Brokkoli, Kohlrabi, Blumenkohl mit Rettich und Zichorien (z.B. Chicorée, Radicchio, Zuckerhut) und bringt sie zur Zellfusion. So wird Gentechnik durch die Hintertür eingeschleust. Mitgliedsbetriebe von Anbauverbänden wie Demeter, Gäa, Ifoam, Bioland und Naturland dürfen Pflanzensorten, die mit CMS-Technik hergestellt sind nicht verwenden. Aber: Nach der EG-Öko-Verordnung ist der Einsatz von CMS-Saatgut erlaubt. Die EU-Freisetzungsrichtlinie (Richtlinie 2001/18/EG) definiert die durch Zellfusion entstandenen Organismen als gentechnisch veränderten Organismus (GVO). Anhang 1B hebt die Kennzeichnungspflicht wieder auf und gibt genau diesem Verfahren damit einen Freischein zur ungehinderten Verbreitung. So dürfen selbst Biobetriebe CMS-Saatgut einsetzen und das so erzeugte Gemüse als Bio-Gemüse verkaufen. Es ist von optisch einheitlicherer Qualität als herkömmliches Bio-Gemüse von samenfesten Sorten. Und der Konsument lässt sich gerne blenden. Zudem sind die CMS-Hybriden ertragreicher und können damit günstiger vermarktet werden. Was nützt da noch das Bio-Label? Nichts! Der Verbraucher gibt mehr Geld aus und erhält trotzdem GVO-Ware.

Ein Label „CMS-Frei“ ist meiner Meinung nach dringend von Nöten. Und die verstärkte Züchtung samenfester Sorten aus biologisch-dynamischem Anbau. Denn um die Weltbevölkerung zu ernähren, brauchen wir reproduktionsfähiges Saatgut. Es ist ein Wahnsinn, der gerade geschieht. Das Thema ist komplex und nicht leicht verständlich. Die Lobby der Konzerne zu groß. Monsanto regiert immer noch (siehe Anteile am Bayer-Konzern) und gibt die Richtung vor. Wir Europäer hängen am Tropf. Ein Angriff auf die Produktionsstätten von Monsanto & Co. mit Vernichtung der jedes Jahr neu auf den Markt geworfenen CMS-Hybriden würde innerhalb kürzester Zeit eine Welthungersnot mit verheerenden Folgen mit sich bringen. Denn die Landwirte besitzen kein gesundes, normales samenfestes Saat gut mehr. Selbst verantwortungsbewussten Saatgutzüchtern und Kulturpflanzenentwicklern wird es gesetzlich schwergemacht, samenfeste Sorten zu etablieren, mit denen wir uns aus der Abhängigkeit befreien könnten. Hier muss angesetzt werden!

Der Wunsch zur „Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft“ von 44 Prozent der befragten Konsumenten spiegelt den gierigen Wunsch, immer mehr aus Boden, Pflanze und Tier herauszuholen. Die in den Medien verkündete Vision, dass Agrarroboter bald noch effizienter Agrarflächen bewirtschaften und unser blauer Planet ein Selbstbedienungsladen à la Schlaraffialand sei, den man unbegrenzt ausbeuten kann, trägt bereits Früchte. Bereits die vom BMBF vorgegebenen Fragen zur „richtigen Lösung für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung“ sind manipulativ und zeigen den Tunnelblick.

Leider bringt der Ernährungsreport auf nicht repräsentativer Grundlage basierende nicht aussagekräftige Erkenntnisse und verschleiert somit die wahre Situation. Die befragten Menschen denken, sie würden gesund essen. Doch das ist heute gar nicht mehr möglich. Wir haben keine gesunden Lebensmittel mehr. Die Agrar- und Lebensmittelindustrie findet immer wieder neue Gesetzeslücken um Füllstoffe und schädliche Materialien in Lebensmittel einzubringen.

Das einzige was der Ernährungsreport gut ans Licht bringt, ist wie Konsumenten für dumm verkauft und in die Irre geführt werden. Wie Falschinformationen auf höchster Ebene gestreut werden und wie die Antworten von 1000 Bürgern und Bürgerinnen dazu genutzt werden, um manipulativ Politik zu machen.

Die wesentlichen Erkenntnisse des Ernährungsreports 2019 laut BMEL:

  • Für 99 Prozent der Befragten kommt es beim Essen auf den Geschmack an.
  • 91 Prozent der Befragten ist gesundes Essen wichtig: 71 Prozent essen täglich Obst und Gemüse, 64 Prozent nehmen täglich Milchprodukte zu sich, Fleisch- und Wurstwaren kommen bei 28 Prozent jeden Tag auf den Tisch, 6 Prozent der Befragten ernähren sich vegan oder vegetarisch.
  • Wir essen und kaufen immer bewusster. Mehr als die Hälfte der Verbraucher achtet beim Einkauf auf Zuckermenge und Fettanteil.
  • 84 Prozent der Befragten sind daher dafür, Fertigprodukten weniger Zucker zuzusetzen – auch wenn sie dann nicht so süß schmecken.
  • Den Befragten ist es sehr wichtig, dass verarbeitete Lebensmittel wenig Zucker und wenig ungesunde Transfette enthalten. Das sagen 71 bzw. 68 Prozent der Befragten.
  • 86 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bei den freiwilligen Angaben auf Verpackungen die Angaben zur artgerechten Tierhaltung interessieren.
  • 81 Prozent der Befragten wünschen sich ein staatliches Tierwohlkennzeichen.
  • 84 Prozent der Befragten sehen die Verringerung der Lebensmittelverschwendung als eine geeignete Maßnahme, um eine ausreichende Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen.
  • 48 Prozent präferieren eine einfache Zubereitung, 36 Prozent achten auf die Kalorien, für 32 Prozent ist der Preis am wichtigsten.

Mein Fazit: Es gibt viel zu tun. Der Ernährungsreport ist nicht repräsentativ. Die Schlussfolgerungen von Frau Klöckner bedenklich. Richtig wäre die Erhebung des tatsächlichen Konsumverhaltens am Beispiel einer repräsentativen Menge gewesen. Dazu hätte man vorhandene Daten aus dem LEH oder der Gemeinschaftsgastronomie erheben können. Was dort an der Kasse tatsächlich gekauft und verzehrt wird, würde ein anderes Bild auf das Essverhalten in unserem Land werfen.

Den Ernährungsreport 2019 finden Sie übrigens hier: www.bmel.de/ernaehrungsreport2019

Ein Kommentar von Petra Pettmann M.A., Journalistin DJV

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